single-image

Wie bytepark die kollegial geführte Kreisorganisation lebt

Ein kleiner Einblick in agile Organisationsentwicklung

Es ist von Zeit zu Zeit erforderlich, sich Gedanken um die Struktur des Unternehmens zu machen. Das ist spätestens dann notwendig, wenn neue Kollegen kommen oder sich bestehende Kollegen verabschieden. Denn genau in diesen Situationen kommen Fragen auf: Wer wird die Aufgaben zukünftig übernehmen? Wer ist eigentlich für mich verantwortlich? Zu wem gehe ich, wenn ich ein Problem sehe? Im Idealfall beschäftigen sich Unternehmen vorher mit der Frage: Wie sind wir eigentlich strukturell aufgebaut, und welchem Organisationsmodell folgen wir? Tauchen die Fragen im Team erst einmal auf, sehen sich die meisten Führungskräfte gezwungen, schnelle Antworten zu finden. Ob diese dann passen und nachhaltig sind, ist sicher fraglich.

Das Ende der pyramidenförmigen Linienorganisation

Wie kam es nun dazu, dass wir ein Kreismodell für bytepark als beste Organisationsform erachtet haben? Warum schwören wir auf kollegiale Führung? Natürlich haben wir uns ebenfalls dieselben Fragen immer wieder gestellt: Wer ist denn nun dafür verantwortlich, Personalgespräche zu führen? Wer entscheidet denn jetzt, welche Technologie in einem neuen Projekt Anwendung findet? Welche Kompetenzen und Befugnisse haben die Mitarbeiter in den Projektteams? Wir wollten eine Antwort darauf finden – und zwar eine, die Bestand hat. Es gab im Rückblick keinen konkreten Auslöser, der uns angetrieben hat. Vielmehr spürten wir die Notwendigkeit aufgrund einer natürlichen Entwicklung: Mitarbeiter wollen partizipieren, sie wollen entscheiden, und sie wollen aktiv ein Teil von bytepark sein. Gerade in einem kleinen Unternehmen, das eine familiäre Atmosphäre als einen ihrer wichtigsten Grundsätze verfolgt, ist das kaum verwunderlich. Also fingen wir an, eine offizielle Antwort auf die Frage zu finden: Wie ist bytepark organisiert?

„Wir passen nicht in dieses starre Konstrukt mit klaren Linien, Verantwortungen und einer unumstößlichen Hierarchie“

In ersten Besprechungen malten wir immer wieder Linien und klare Zuständigkeiten. Heraus kam immer ein klassischer hierarchischer Aufbau – bytepark als pyramidenförmige Linienorganisation. So haben wir uns selbstverständlich all die Jahre zuvor gesehen und es nur selten infrage gestellt. Doch als wir nun vor dem Whiteboard standen und es erneut versuchten, scheiterten wir kläglich. Zufrieden waren wir mit dem Ergebnis nie. Denn wir spürten, dass es einfach nicht stimmt. Das war nicht bytepark. Wir passen nicht in dieses starre Konstrukt mit klaren Linien, Verantwortungen und einer unumstößlichen Hierarchie. Also wischten wir das Whiteboard wieder sauber.

Der Anfang der kollegial geführten Kreisorganisation

Einige Gespräche, Recherchen und Kopfschmerzen später skizzierten wir bytepark erstmals als Kreis. Das erschien uns als spannende Herausforderung und rückwirkend als absolut logischer Schritt. Wir lasen viel zu den Themen „Kollegiale Führung“ und zu den unterschiedlichen Organisationsformen. Und je mehr wir uns in diese Themen einfanden, desto mehr fühlten wir uns zu Hause. Denn wir unterliegen mit unserem Business einem stetigen Wandel mit wachsenden technologischen Möglichkeiten und zunehmender Komplexität. Die Projekte von vor zehn oder sogar fünf Jahren sind kaum vergleichbar mit den heutigen Anfragen. Digitale Produkte entstehen in rasanter Geschwindigkeit und in schwindelerregender Masse. Hier muss man sich behaupten. Und das Vorhaben wird definitiv nicht erleichtert durch die immer gravierenderen Herausforderungen für die Agenturbranche durch Preis- und Konkurrenzdruck. Folglich ist eine Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens sogar erforderlich, und wir stellen uns jeden Tag erneut der Situation, dass sich auch unsere Aufgaben permanent ändern.

Bild des Kreismodells

Welche Punkte uns am Kreismodell besonders überzeugt haben

Auf diese wachsende äußere Komplexität können Unternehmen mit innerer Komplexität reagieren. Genauer gesagt muss die innere Organisation mit den äußeren Anforderungen umgehen können. Aus unserer Sicht vereinbart die kollegial geführte Kreisorganisation wichtige Prinzipien, um eine innere Komplexität herzustellen.

1. Kreise

Dieses Modell lebt davon, dass sich Teammitglieder für eine langfristige oder aber auch kurzfristige Zusammenarbeit zusammenfinden. Sie bilden einen Kreis, entscheiden über die Organisation und Verantwortungen innerhalb des Kreises und arbeiten bestmöglich an einem Thema. Bei bytepark umfasst das in der Regel die Arbeit an einem Projekt für einen Kunden. Darüber hinaus gibt es auch Kreise, die sich sowohl mit Themen wie „Qualität“ sowie „Forschung & Entwicklung“ als auch mit der Weiterentwicklung des Unternehmens in strategischen Fragen beschäftigen.

2. Regeln und Rollen

Es geht nicht länger um Regeln, die von Führungskräften einmal definiert wurden und nun starr befolgt und kontrolliert werden. Gleiches gilt für die Rollen im Unternehmen. Es ist ein gewisser Grad an Flexibilität notwendig, um sich auf die Dynamik des Marktes einzulassen und zu bestehen. Vielmehr geht es um das Schaffen von Rahmenbedingungen, Grundsätzen und Werten, die für die Mitarbeiter greifbar sind und innerhalb derer sie eigenverantwortlich agieren können. Es gibt klare Rollen. Es gibt ein geringes Maß an Hierarchie. Es gibt Regeln. Ja. Der Unterschied liegt für uns darin, wie flexibel man sich damit den Anforderungen anpassen kann. Noch viel entscheidender ist es, wer diese definiert.

3. Team

Der Unterschied – und damit auch der Mehrwert – liegt für uns ganz klar in dem Wort „kollegial“. Denn jeder ist dazu eingeladen, das Unternehmen und die Grundsätze weiterzuentwickeln. Wir leben und arbeiten nicht in einer Top-down-Organisation. Jedes Teammitglied soll eigene Ideen und Impulse einbringen. Nur weil Entscheidungen auf einer bestimmten (Hierarchie-)Ebene getroffen werden, sind sie nicht unbedingt besser oder „richtiger“. Der Anstoß zur Definition unserer Unternehmensstruktur kam nicht von der Geschäftsführung. Vielmehr wurde die Idee in den Köpfen der Mitarbeiter geboren. Und darin zeigt sich der wahre Wert: Eine kollegiale Führung kann nicht angeordnet werden. Sie muss gelebt werden – und das von jedem Mitarbeiter. Denn darin liegt das wirkliche Potenzial, wodurch der Erfolg eines Unternehmens beeinflusst wird: die Motivation jedes Einzelnen.

Wir haben den Versuch gewagt: vor einem Jahr haben wir das Modell im Team kommuniziert. Allerdings lebten wir es schon weitaus länger, ohne dass es uns immer bewusst war. Das zeigt umso mehr, dass dieses Modell zu uns passt. Dennoch sind wir damit noch nicht am Ende angelangt. Es gilt jeden Tag aufs Neue, sich der Dynamik des Marktes zu stellen und den Anforderungen gerecht zu werden. Stillstand ist fast schon ein Fremdwort für uns. Und das ist vollkommen in Ordnung, denn wir können damit (mittlerweile) umgehen. Mit dem Modell der kollegialen Kreisorganisation haben wir eine Struktur für bytepark gefunden, mit der wir uns der äußeren Komplexität stellen können.

Das könnte dir gefallen